Highroller Baccarat – das Hazardspiel der Superreichen

Baccarat gilt als teures Vergnügen, an dem sich ein kleiner Kreis von gut betuchten Zockern delektiert. Nur die wenigsten Casinobesucher wissen, wie es gespielt wird. Und obwohl Baccarat in vielen Casinos mittlerweile auch als „Mini Baccarat“ für sparsame Zocker und – insbesondere in Online Casinos – auch auf den Micro Limits angeboten wird, zählt es nicht zu den Mainstream-Spielen.

Trotz dieser vergleichsweise geringen Popularität wären die Gambling-Metropolen auf der ganzen Welt ohne Baccarat undenkbar: Die Highroller an den Baccarattischen halten einen ganzen Casinozweig am Laufen. Nirgendwo anders wandern kontinuierlich so hohe Einsätze über den Tisch wie beim so genannten „VIP Baccarat“ in Macau. Etwa 91 Prozent der dortigen Casinoeinnahmen von Januar bis September 2014 wurden an den Baccarattischen generiert. In Las Vegas, wo das meiste Geld an den Slots umgesetzt wird, sorgte Baccarat im gleichen Zeitraum für immerhin 25 Prozent des Umsatzes.

Der Royal Baccarat Skandal

Seit sich Baccarat im späten 19. Jahrhundert zu einem Lieblingsspiel der „guten“ (oder zumindest wohlhabenden) Gesellschaft entwickelte, ranken sich Skandalgeschichten um die gewaltigen Summen, die dabei hin- und hergeschoben werden. Selbst die britische Monarchie mischte mit: Im Jahr 1891 musste der Prinz von Wales, ältester Sohn von Königin Victoria und späterer König Edward VII, als Zeuge vor Gericht aussagen. Sir William Gordon-Cumming, einem Freund von ihm, musste sich wegen Veranstaltung illegaler Baccaratrunden und Betrugs an den Teilnehmern verantworten.
Obwohl der Prinz sich selbst des unerlaubten Glücksspiels schuldig bekannte und die englische Presse die Affäre gründlich ausschlachteten, blieb der „Königliche Baccarat-Skandal“ auf dem internationalen Parkett weitgehend unbeachtet. Eine Rückmeldung vom Kontinent gab es immerhin: Edwards Neffe, der deutsche Kaiser Wilhelm II., ließ entrüstet verlauten, mit Untertanen zu spielen, gehöre sich nicht, vor allem, wenn diese, wie im vorliegenden Fall, so viel jünger seien als der Thronerbe.

Phil Ivey und die CasinosUm Betrug am Baccarattisch drehen sich auch Klagen und Gegenklagen, die der professionelle Spieler Phil Ivey und Casinos auf zwei Kontinenten miteinander ausfechten. Insgesamt 22 Millionen Dollar verlangt Phil Ivey vom Londoner Crockford Casino und dem Borgata in Atlantic City (New Jersey). Zunächst hatten die Geschäftsführungen beider Casinos ihm vorgeworfen, das Geld auf unlautere Weise mithilfe von „Edge Sorting“ erspielt zu haben. Wer diese Technik anwendet, merkt sich einzelne Karten anhand von Unregelmäßigkeiten an den Rändern („edges)“ auf den bedruckten Rückseiten. Weil Ivey explizit auf Kartendecks von Gemaco bestanden hatte, der bevorzugten Marke von „Rand-Sortierern“, entschieden die Gerichte zu seinen Ungunsten. Die Urteile sind umstritten, da Edge Sorting in Profikreisen als legitimes Verfahren gilt. Kenner der Szene halten es für denkbar, dass die Gegenangriffe des als einer der weltbesten Pokerspieler bekannten Pros für ihn erfolgreich enden.