Roulette im Film

Kein Casinospiel ist so perfekt auf die Leinwand zugeschnitten wie das Geschehen am Roulettetisch. Das mal glamouröse, mal dubiose Ambiente, das Rad mit den roten und schwarzen Zahlen, das sich um die eigene Achse dreht, das Klackern der kleinen weißen Kugel, und natürlich die atemlosen Momente zwischen dem „Rien ne va plus!“ des Croupiers und der Entscheidung der Glücksgötter: Mehr symbolträchtige Optik und mehr Spannung sind kaum denkbar – kein Wunder also, dass die Filmindustrie sich praktisch schon immer um den Roulettekessel drängte und drängt.

Klassisches Kino – Alles oder Nichts, Schwarz oder RotLola rennt (Deutschland 1998)
Von allen Gründen, aus denen die Menschen ins Casino gehen, ist der von Franka „Lola“ Potente in Tom Tykwers Drama um den potenziellen Tod von Moritz Bleibtreu alias Manni wohl der dringendste. Zum Glück kommt Lola im dritten Anlauf auf die Idee, in der Spielbank um das Geld zu zocken, das Manni seinem grimmigen Boss schuldet, nachdem zwei Versuche ganz fürchterlich in die Hose gegangen waren …

Croupier (Großbritannien 1998)
Mike Hodges Hommage an den klassischen Film Noir beginnt mit einer Schreibblockade – und dreht sich um das, was dem Autor Jack Manfred (Clive Owen) passiert, als er die Dinge wieder ins Rollen bringen will. Jack verdingt sich in einem Casino als Roulette Croupier und ist bald mehr in der Welt des Glücksspiels zu Hause als an seinem Schreibtisch. Und natürlich muss er sich auch noch in eine hübsche Zockerin verlieben, die gerade an einem dreisten Roulettebetrug feilt.

Casablanca (USA 1942)
Auf der Flucht vor den Nazis verschlägt es Ingrid Bergman alias Ilsa Lund und ihren Gatten, einen berühmten Widerstandskämpfer, ausgerechnet ins Café Americain, die Bar ihres Ex-Lovers Rick Blain (Humphrey Bogart). In Michael Curtiz‘ Meisterwerk entscheidet sich das Schicksal so manches Flüchtlings am Roulettetisch – dann nämlich, wenn der zwar zynische, trotzdem aber mit Ehre und Gewissen gesegnete Rick dem Betreffenden empfiehlt, am Roulettetisch auf die 22 zu setzen. Casablanca gewann zwei Oscars, für die beste Regie und das beste Drehbuch nach einer Romanvorlage.

Ein unmoralisches Angebot (Indecent Proposal, USA 1993)
Auch diese Schnulze wurde mehrfach ausgezeichnet – und zwar mit der Goldenen Himbeere 1994 in den Kategorien Schlechtester Film, Schlechtester Nebendarsteller und Schlechtestes Drehbuch. Das soll uns aber nicht abhalten, den netten Einfall von Regisseur Adrian Lyne zu erwähnen, der das Ehepaar Murphy (Woody Harrelson, Demi Moore) in einer kleinen Hommage an „Casablanca“ all sein Geld am Roulettetisch verlieren lässt – weil es auf die 22 setzte. Bis heute ungeklärt ist übrigens die Frage, ob es vor 20 Jahren auch nur eine einzige Frau gab, der Robert Redford (alias Milliardär John Gage) eine Million Dollar für eine Liebesnacht hätte bieten müssen.

Oscarverdächtig: Roulette als bester Nebendarsteller

Ocean’s Eleven (1960)
Wer auf das legendäre „Rat Pack“ (unter anderen Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis jr.) steht, sollte sich die köstliche Vorlage für die Danny Ocean Serie mit George Clooney & Co nicht entgehen lassen – auch wenn böse Zungen behaupten, der Schauspieler, der im Originalfilm den Croupier gab, hätte wohl noch nie einen echten Vertreter dieses Berufs bei der Arbeit gesehen. In die deutschen Kinos kam „Ocean’s Eleven“ übrigens unter dem ebenso albernen wie sperrigen Titel „Frankie und seine Spießgesellen“.

Der Clou (1973)
Genau genommen widmet die Komödie mit dem wunderbaren Team Paul Newman und Robert Redford der „Königin der Spielcasinos“ nur wenige Minuten. Die aber wachsen zu einer der Schlüsselszenen aus, die dem Rachefeldzug der beiden Protagonisten vorausgehen: Der kleine Gauner Johnny Hooker (Redford) wird am Roulettetisch selbst Opfer eines Trickbetrugs, was zum Tod eines engen Freundes führt. Daraufhin tut er sich mit dem erfahrenen Falschspieler Henry Gondorff (Newman) zusammen, um Gangsterboss Doyle Lonnegan (Robert Shaw) aus dem Verkehr zu ziehen.

Ocean’s Eleven (2001) & Ocean’s Thirteen (2007)
In der unterhaltsamen Danny-Ocean-Reihe sehen wir George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon, Julia Roberts und anderen Hollywoodstars unentwegt beim Schummeln zu. Im ersten wird ein Roulette Croupier eingeschleust, der angeblich keine weiße Weste hat und Anlass einer Konfrontation bietet, während der ein anderes Crewmitglied einen Schlüssel stiehlt – uff, hat sich eigentlich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, wie man solche vertrackten Szenen kernig erläutern soll? Wie auch immer, im dritten und bisher letzten Film der Serie arbeitet die Truppe unter anderem mit einer ferngesteuerten Roulettekugel.

Toy Story 3 (2010)
Wer mit dem dreijährigen Nachwuchs einen Kinderfilm guckt, rechnet nicht unbedingt damit, auf der Leinwand eine lupenreine Gamblingszene zu erleben. Pixar allerdings serviert uns eine sehr charmante Zockerrunde in der Vorschule: Bei stilechtem Schummerlicht hocken die Spielsachen um die Drehscheibe eines Sprachlernspiels herum, das sie zum Rouletterad umfunktioniert haben, blättern Spielgeldscheine auf den Tisch und müssen zusehen, wie der Tintenfisch gewinnt, der gewettet hat, dass der Zeiger am Schluss bei der Ente stehenbleibt. Im Original gibt’s die Szene hier: https://www.youtube.com/watch?v=DseggeXWMks.

Glanz durch Abwesenheit: Roulette bei James Bond
Ist Ihnen aufgefallen, dass der Geheimagent Ihrer Majestät im Film kaum einmal am Roulettetisch sitzt, wohl aber bei so gut wie jedem anderen Glücksspiel zu sehen ist? Schade eigentlich, denn Autor Ian Fleming führt uns seinen Helden des Öfteren beim Roulette vor, zum Beispiel im ersten Roman „Casino Royale“ (1953) oder in „Diamonds are Forever“ (1956). Aus den spärlichen Angaben zum Setzverhalten des Mannes mit der Lizenz zum Töten bastelten Hardcore-007-und-Roulette-Fans sogar ein Spielsystem. Googlen Sie mal die „James Bond Roulette Strategie“. Allerdings ist die im Grunde viel zu brav und konservativ für einen Typen, den Sean Connery, Roger Moore und Daniel Craig verkörper(te)n.